Adriano Tallarini feiert morgen Sonntag seinen 80.Geburtstag. Er ist Pionier der Italo-Gastrokultur in der Stadt Bern. Der Hausherr, der einen beim Betreten des Restaurants Dolce Vita herzlich begrüsst, heisst...


Der Hausherr, der einen beim Betreten des Restaurants Dolce Vita herzlich begrüsst, heisst Adriano Tallarini. «Haben Sie schon gegessen? – Sie müssen essen!», sagt er; und ist enttäuscht, dass man seine Einladung am frühen Nachmittag ausschlägt. Dass der gebürtige Italiener morgen Sonntag 80 Jahre alt wird, hindert ihn nicht daran, Tag für Tag in seinem Ristorante im Breitenrain zu stehen und jeden Teller zu begutachten. «Ich bin wie ein Fisch», sagt Adriano Tallarini, «wenn man ihn aus dem Wasser zieht, stirbt er. Wenn man mich aus dem Restaurant nimmt, sterbe ich.» 1929 wurde Tallarini in Urbania, Region Marken, geboren. Seine Eltern führten eine Osteria. 31-jährig emigrierte er in die Schweiz, wurde Büfettbursche in Wengen, wenig später servierte er in Bern im «Moleson» und in der «Walliserkanne». Ab 1973 in «Casa d’Italia» Mit dem Wirtepatent in der Tasche übernahm er 1973 die «Casa d’Italia» in der Länggasse und machte aus dem Lokal einen Treffpunkt und ein Zuhause für seine italienischen Landsleute. «Die ‹Casa d’Italia› war Stammlokal von über 30 zumeist italienischen Vereinen», erzählt er. Sie blieben nicht lange unter sich, auch das einheimische Publikum entdeckte die «Casa». Doch da gabs ein Problem. Juristisch als Verein geführt, hätte das Lokal in den 1970er-Jahren laut geltender Bedürfnisklausel kein Essen an Nichtmitglieder verkaufen dürfen. Es habe Wirte gegeben, die ihn angezeigt haben, erinnert sich Tallarini. Endlich, 1981, wurde die «Casa d’Italia» in den Status eines Restaurants übergeführt. Staatsbesuch in der «Casa» Dass das Lokal in der Länggasse jahrelang auch eine wichtige soziale Rolle spielte, entging der italienischen Botschaft nicht. Diese Einsicht gipfelte 1982 im Besuch des italienischen Staatspräsidenten Sandro Pertini bei Adriano Tallarini in der «Casa d’Italia». Tallarini muss dem Staatspräsidenten Eindruck gemacht haben, denn vier Jahre später erhielt er den Titel eines «Cavaliere» verliehen. 1987 verliess Adriano Tallarini die «Casa d’Italia». Er führte im Verlauf seiner Karriere auch die Restaurants Boccalino, Don Camillo, Accademia, Mappamondo und das «Länggass-Stübli». Heute ist er «nur» noch im «Dolce Vita» engagiert, das er vor zehn Jahren übernommen hat.
Publiziert: 28.11.2009, 00:32 | Berner Zeitung BZ